Tilo Paulenz in U-Haft

Der Neuköllner Neonazi Tilo Paulenz sitzt seit einigen Tagen in U-Haft. Bereits vor dem Prozessbeginn aufgrund der rechten Angriffsserie in Neukölln, wurde Paulenz festgenommen und seine Wohnung durchsucht, nachdem er einen Taxifahrer u.a. mit einem Teleskopschlagstock attackiert hatte. Ein zweiter Tatverdächtiger ist bisher noch unbekannt.

Weitere Informationen: https://www.antifainfoblatt.de/…/anklage-gegen-neuk%C3…

Quelle: https://www.bz-berlin.de/…/taxifahrer-mit-schlagstock…

9. November 2021

Am hellichten Tag und unter aller Augen…
Am 9. November 1938 fanden die Novemberpogrome ihren Höhepunkt. Im deutschen Herrschaftsbereich wurden Jüdinnen_Juden vergewaltigt, inhaftiert, verschleppt und ermordet. Jüdische Geschäfte, Wohnungen, Gemeindehäuser und Synagogen wurden geplündert, zerstört und in Brand gesetzt. Auf den Straßen entfesselte sich der deutsche antisemitische Terror, der in der Nacht staatlich angestoßen und orchestriert wurde. SA und SS führten unterstützt durch Polizei und Feuerwehr die Morde, Brandstiftungen und Verwüstungen an. Die nicht-jüdische Bevölkerung beteiligte sich an dem Pogrom oder stimmte mit ihrem Schweigen zu. Insgesamt wurden in den Tagen um den 9. November 1.300 Jüdinnen_Juden ermordet, über die Hälfte der Gebetshäuser und Synagogen in Deutschland, Österreich und dem annektierten Sudetenland wurden zerstört. Ab dem 10. November erfolgte die Deportation von 30.000 Jüdinnen_Juden in Konzentrationslager. Die Pogrome waren Wegbereiter für die Shoah.

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Laidak – No Place To Be

Als das „Laidak“ vor neun Jahren am Boddinplatz eröffnete, hatte die „Schankwirtschaft“ das Potenzial, eine Lücke in Neukölln zu füllen. Es bot sich als Ort in zentraler nordneuköllner Kiezlage an, an dem jenseits der ansonsten geschätzten Kneipenatmosphäre Diskussionen und Veranstaltungen stattfinden konnten, ohne über Basics diskutieren zu müssen, die allzu oft keine sind: Die Kritik an jeder Form des Antisemitismus. Als Gruppe haben wir in den ersten Jahres des Bestehens nicht nur Veranstaltungen im Laidak besucht, sondern auch mitorganisiert. Auch danach blieb das Laidak noch länger eine Station zur Ablage von Mobimaterial.

Mit den Jahren des Bestehens erwies sich das Laidak jedoch immer häufiger (auch) als Heimat notorisch Falschabbiegender, erfolglos darum bemüht, sich selbst in die Tradition der Ideologiekritik zu stellen. Trotz zunehmender inhaltlicher Entfremdung blieben wir solidarisch mit dem Laidak, wenn alle unter dem zum Kampfbegriff gewendeten, inhaltlich entkernten Label „Antideutsch“ zusammengefassten Positionen pauschal etwa als rassistisch und islamfeindlich diffamiert wurden. Spätestens jedoch Berichte über fehlenden Schutz bei Angriffen auf FLINTAs im Laden und der intransparente Umgang mit Vorwürfen sexualisierter Gewalt, die sich gegen eine Person des Betreiberkollektivs richteten, läuteten aus unserer Sicht den endgültigen Bruch ein.

Anlass für diesen Text sind nun Entwicklungen, die dafür sorgen, dass das Laidak nicht nur schon längst kein Ort für emanzipatorische Politik mehr ist, sondern einer, der sich mit Verschwörungserzählungen und Antisemit*innen aus dem Querdenken-Spektum gemein macht. Ein Blog dient als unfreiwilliges Tagebuch des eigenen Abdriftens. Hier wähnt man sich als vermeintliche Freiheitskämpfende in Abgrenzung zu einer „linkscovidianischen Diktatur“, die bis zur „Bahamas“-Redaktion reichen soll. Eine Ausrichtung, die sich mitlerweile auch unmissverständlich im Veranstaltungsprogramm und ausgelegten Publikationen abbildet.

Als Mitte September 2021 „Impfgegner*innen“ die Wiedereröffnung der Volksbühne störten, war neben Personen der „Freien Linken“ und der „Freedom Parade“ auch einer der Laidak-Betreiber, Bernd Volkert, beteiligt. Abgerundet wird dieses Bild durch die demonstrative Präsentation einer Antifa-Fahne in den Räumen der „Schankwirtschaft“, die dem linken Protest gegen die „Hygiene-Demos“ entwendet wurde.

Das Laidak muss als rechtsoffene Location benannt werden. Welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind, bleibt die Entscheidung von uns Antifaschist*innen!

Autonome Neuköllner Antifa im November 2021

09.11.: Gedenken an die Novemberpogrome 1938

„Es ist geschehen und folglich kann es wieder geschehen.“
Diese Mahnung des Auschwitzüberlebenden Primo Levi bleibt uns auch weiterhin präsent.
Dem Gedenken an die deutschen NS-Verbrechen Gehör zu verschaffen, Konsequenzen daraus einzufordern und die Verhältnisse, die die nationalsozialistischen Verbrechen ermöglicht haben und weiterhin fortbestehen, anzuklagen, bleibt die wichtigste Aufgabe für alle Antifaschist*innen. In diesem Sinne laden wir Euch auch dieses Jahr am 9. November zu den Gedenkveranstaltungen in Moabit ein.

09. November 2021 | 18.00 Uhr | Gedenkkundgebung an die Novemberpogrome 1938 | Mahnmal Levetzowstraße (Berlin-Moabit)

Gemeinsam mit dem Zeitzeugen Horst Selbiger, Vertreter*innen von verschiedensten Initiativen und mit musikalischer Unterstützung wollen wir in unserem antifaschistischen Gedenken, Handeln und Eingreifen nicht müde werden und auch dieses Jahr auf die Straße gehen. Gleichzeitig gedenken wir der Shoah-Überlebenden und Antifaschistin Esther Bejarano, die am 10. Juli diesen Jahres verstarb. Ihr Vermächtnis ist unsere Verpflichtung.

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20.09.: Sechster Todestages von Luke Holland

Kein Vergessen: Anlässlich des 6. Todestages von Luke Holland wird heute mit einer Kundgebung an ihn erinnert. Am 20.9.2015 wurde er in Berlin-Neukölln von dem Neonazi Rolf Zielezinski aus nächster Nähe erschossen.

Phil Holland, der Vater von Luke, beschrieb seinen Sohn so: „He was, and should still be, intelligent, funny, hard working, helpful and caring. I did not know how caring, and loved, until over 300 people attended his funeral, the majority I did not know.“ (Übersetzung: „Er war – und sollte es noch sein – intelligent, lustig, hart arbeitend, hilfsbereit und liebevoll. Ich wusste nicht wie liebevoll und geliebt, bis mehr als 300 Personen zu seiner Beerdigung kamen. Die meisten kannte ich nicht.“)Auf der Kundgebung soll auch Rita Holland, der Mutter von Luke, gedacht werden, die den Schmerz über den Verlust ihres Sohnes nicht ertragen konnte und sich am 21. Oktober 2019 das Leben nahm. Sie wurde am 20.09.2020 in Manchester neben ihrem Sohn Luke beigesetzt.

Die Kundgebung wird organisiert von der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş in Absprache mit Familie und Freund*innen von Luke Holland.

20.9. | 18:00 | Walterstraße/ Ringbahnstraße

https://rechtsaussen.berlin/2020/09/luke-holland-wird-in-neukoelln-ermordet/