Erneuter Brandanschlag auf das Anton-Schmaus Haus

Donnerstag, den 10. November 2011 um 17:19 Uhr

Neonazistische Brandstifter_innen schlagen erneut zu

Am Morgen des 9. November verübten Neonazis zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres einen Brandanschlag auf das Anton-Schmaus Haus des linken Jugendverbandes „Die Falken“ am U-Bahnhof Britz-Süd. Ob die Täter_innen bewusst den Jahrestag der antisemitischen Novemberpogrome von 1938 für ihren Anschlag wählten, darüber kann derzeit nur spekuliert werden. Wahrscheinlich zwischen 6 und 7 Uhr platzierten die Täter_innen Brandbeschleuniger an mehreren Stellen der Fassade des Jugendzentrums in der Gutschmidtstraße. Bereits in der Nacht vom 26. zum 27. Juni dieses Jahres versuchten Neonazis das Haus auf ähnliche Weise anzuzünden. Damals wurde das Gebäude so schwer beschädigt, dass die Einrichtung ihre Arbeit vorübergehend einstellen musste. Im Dezember sollte diese wiedereröffnen. Die Neonazis müssen gewusst haben, dass im Anton-Schmaus Haus auch regelmäßig Kinder- und Jugendgruppen übernachten. Ihre Tat ist menschenverachtend und nimmt den Tod dieser Kinder und Jugendlichen billigend in Kauf.

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AIB: Die Berliner Neonazisszene

Dienstag, den 08. November 2011 um 12:05 Uhr

Im folgenden dokumentieren wir einen Text aus der aktuellen Ausgabe des Antifaschistischen Infoblatt, der sich mit der Berliner Neonaziszene auseinander setzt. Die komplette Ausgabe finden ihr in jedem gut sortierten Info- oder Buchladen, wie z. B. in den Schwarzen Rissen.

 

Isoliert und radikalisiert - Die Berliner Neonazisszene

Eine Berliner Neonazigewaltkarriere der 1990er Jahre: Am 14. Oktober 1992 versucht der 18-jährige Oliver Werner einen alternativen Jugendclub anzuzünden. Im Oktober 1993 beschlagnahmte die Polizei laut »Drahtzieher im braunen Netz Nr. 2« in Werners Wohnung Bombenbauanleitungen, eine Hülse für Rohrbomben und professionelle Zünder. Am 13. August 1994 beschießt er im Vorfeld einer Antifa-Demonstration mit einer Zwille von einem Hausdach Journalist_innen. Bei einer anschließenden polizeilichen Durchsuchung werden auch Brandsätze beschlagnahmt. Zweieinhalb Jahre später, am 19. Februar 1997, dringt Werners enger Kamerad Kay Diesner mit einer Pumpgun in eine linke Buchhandlung in Berlin-Marzahn ein und feuert auf den 63-jährigen Besitzer. Bei seiner anschließenden Flucht schießt Diesner auf zwei Polizisten, einer von ihnen stirbt. Der Buchhändler überlebt mit bleibenden Schäden.1

Die Liste der Taten Werners ist lang: Verstoß gegen das Sprengstoff- und Waffengesetz, Zuhälterei, Körperverletzung, Sachbeschädigung.

Sommer 2011: Am 3. August geraten die zwei für Gewalttaten bekannten Neonazis Sebastian Thom (24) und Julian Beyer (21) mit drei Personen in Streit, die NPD-Wahlplakate entfernt haben sollen. Beyer, NPD-Kandidat für die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) in Neukölln, droht laut Polizei mit einem Messer und attackiert eine Person mit Pfefferspray. Auch bei Thom, NPD-Kreisverbandschef von Neukölln und Kandidat für das Abgeordnetenhaus sowie für die BVV Neukölln findet die Polizei Messer und Pfefferspray. Thom ist wegen eines Angriffs auf einen Linkspartei-Infostand im Wahlkampf 2006 und auf einen Polizisten vorbestraft.

Zwischen den Vorkommnissen aus den 1990ern und dem aktuellen Ereignis besteht eine personelle Verbindung: Am 9. Juli 2011 stehen Oliver Werner und sein »Ziehsohn« Sebastian Thom hinter einem Wahlkampfstand der NPD im Neuköllner Stadtteil Britz. Von Werner übernahm Thom sein aggressives Auftreten und wurde von ihm auf die NS-Ideologie eingeschworen. Neben weiteren Mitgliedern des Neuköllner Kreisverbands ist auch Julian  Beyer anwesend, der bereits wegen einer Zündelei an einer  Bushaltestelle verurteilt wurde.

Anhand dieses Beispiels lässt sich der Zustand der Berliner NPD sowie der lokalen Neonaziszene insgesamt aufzeigen. Dass Oliver Werner, der in den letzten Jahren die Öffentlichkeit scheute, nun wieder offen in Erscheinung tritt, zeigt exemplarisch: Die Berliner Szene steht unter Druck. Verantwortlich für solche Personalentscheidungen ist die Isolation und die daraus resultierende personelle Schwäche der Berliner Neonaziszene. Der NPD-Verband ist seit Jahren mit einem Mangel an vorzeigbarem Personal konfrontiert. Ihr Landesvorsitzender Uwe Meenen musste nach innerparteilichen Querelen aus Franken importiert werden. Der Rückgriff auch auf einschlägig vorbestrafte und äußerst gewaltbereite Neonazis und die gesteigerte Militanz und Gewaltbereitschaft der jungen »Kameraden « ist zudem Ausdruck davon, dass sich die Szene von Zivilgesellschaft, Antifa und staatlicher Repression in die Enge gedrängt fühlt. Tatsächlich wurde ihr Handlungsspielraum in den letzten Jahren zunehmend eingeschränkt.

 

 

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