Sarrazin? Nein Danke! - Integration, halt´s Maul!

Für Mittwoch lädt die Springer- Gratispostille „Berliner Abendblatt“ ab 19.00 Uhr zum Leserforum mit Thilo Sarrazin ins Neuköllner Hotel Estrel. Dort soll er sein Buch „Deutschland schafft sich ab“ vorstellen. Das was in der Ankündigung „Analyse“ genannt wird, damit haben die Verantwortlichen sogar Recht, verschont niemanden. Die laut Sarrazin schon genetisch auf Dummheit programmierte deutsche Unterschicht bekommt ordentlich ihr Fett weg. Noch ärger trifft es nur Menschen, denen ein „Migrationshintergrund“ unterstellt wird, sie können sich nicht ein Mal durch ihr in Passform verbrieftes Deutschsein selbst zur Gemeinschaft der Privilegierten zählen. Sie trifft die Verachtung der Teuton_innen für alle, die sie als unnütz für Deutschland ausgemacht haben, gleich doppelt.

 

Sarrazins Thesen sind ein Angriff auf die befreite Gesellschaft, der nicht unbeantwortet bleiben darf!


Eine Gegenkundgebung wurde am 18. Mai 2011 ab 17.00 Uhr vor dem Hotel Estrel (Sonnenallee 225/ Ecke Ziegrastraße) angemeldet

 

Wir dokumentieren hierzu im Folgenden den Aufruf des Bündnis „Rechtspopulismus stoppen“

 

Aufruf des Bündnis Rechtspopulismus Stoppen:

Wir nehmen mit wachsender Sorge zur Kenntnis, dass in den letzten Monaten zunehmend ein gesellschaftliches Klima erzeugt wurde, in dem der Generalverdacht gegen Migrant_innen im Allgemeinen und Muslim_innen im Besonderen geschürt wurde und wird. Zu diesem Klima scheinen sowohl das Berliner Abendblatt wie auch das Hotel Estrel wissentlich beigetragen zu wollen. Anders können wir die Einladung und Bewerbung von Sarrazin für die Veranstaltung am 18. Mai ab 19.00 Uhr nicht bewerten und rufen deshalb zu einer Protestdemonstration ab 17.00 Uhr rund um das Hotel Estrel in Neukölln auf.

 

Während sich einige Veranstalter_innen unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit wenigstens bemühen, den öffentlichen Anschein zu wahren, eine Auseinandersetzung mit Sarrazins rassistischen und sozialdarwinistischen Thesen als Grund für dessen Einladung anzuführen, hebt sich das Berliner Abendblatt mit seiner Werbeanzeige deutlich ab. Unter dem gleichnamigen Titel des Sarrazin-Phamplets „Deutschland schafft sich ab“ wird für ein Leseforum mit Thilo Sarrazin als „profunden Kenner von Politik und Verwaltung“ geworben, der sich angeblich nicht damit abfinden will, dass „die deutsche Bevölkerung nicht nur älter wird und abnimmt, sondern immer mehr Menschen von staatlichen Zahlungen abhängig sind“. Klar scheint für das Berliner Abendblatt ebenfalls, dass „die Folgen, die sich für Deutschlands Zukunft aus der Kombination Geburtenrückgang und Zuwanderung ergeben“ sollen, durch Sarrazins rassistische und sozialdarwinistische Ideologieversatzstücke sowie Vererbungsfantasien erklärt und aus ihnen heraus Lösungen gefunden werden können.

 

Die Ethnisierung, Kulturalisierung und Individualisierung sozialer Probleme stoppen! Ursachen und Verursacher_innen benennen! Solidarisierung mit den Betroffenen!


Offenkundig ist das neuerliche Pushen von Sarrazins menschenverachtenden Thesen nicht zuletzt auch ein Ergebnis des unsäglichen wahltaktischen Rückzuges der Ausschlussanträge durch u.a. den SPD-Bundesvorstand sowie regionaler Parteistrukturen und deren Einknicken vor dem Rassismus bzw. Sozialdarwinismus in der eigenen Partei. So wird jedoch weder dem Rechtsruck, noch der Spaltung und Entsolidarisierung der Gesellschaft entgegen wirkt.

 

Wir werden gegen jede Form der Verharmlosung und Legitimierung von Rassismus und Sozialdarwinismus protestieren. Wer ein Podium für Ungleichwertigkeitsfantasien bietet, macht sich der Diskriminierung und Ausgrenzung von Menschen wegen ihrer Herkunft, Religion, ihrem sozialen Status oder ihrer Lebensweise mit schuldig und stellt sich gegen ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes, friedliches Miteinander unserer Gesellschaft. Wir rufen daher alle Berliner_innen sowie die Vertriebspartner_innen, darunter die Werkstatt der Kulturen dazu auf, am 18. Mai ab 17.00 Uhr vor dem Hotel Estrel mit uns entschiedenen Protest gegen die Hofierung von Sarrazin sowie die Verbreitung und Bewerbung seiner rassistischen und sozialdarwinistischen Thesen auf die Straße zu tragen. Das Hotel Estrel fordern wir auf, darüber nachzudenken, ob eine Unterstützung dieser Veranstaltung durch die Bereitstellung einer Örtlichkeit einem Gewerbe, das von Weltoffenheit und Respekt profitiert, zuträglich ist. Insbesondere Ländern mit muslimischen Bevölkerungsteilen dürfte es kaum zumutbar sein, weiterhin Ihre Staatsangehörigen ein Hotel zu empfehlen, dass auch gezielt und bewusst Rassist_innen ein Podium bietet.

 

Für ein gleichberechtigtes, selbstbestimmtes und friedliches Miteinander ohne Diskriminierungen und Ausgrenzungen!